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Übergewichtige Frauen verbrauchen im Ruhezustand mehr Energie
Neue Forschungsergebnisse stellen die lange Zeit vorherrschende Annahme infrage, dass Übergewicht mit einem „langsamen Stoffwechsel“ einhergeht. Wissenschaftler der Universität São Paulo fanden heraus, dass übergewichtige Frauen im Ruhezustand tatsächlich mehr Energie verbrauchen, um lebenswichtige Körperfunktionen aufrechtzuerhalten, als normalgewichtige Frauen.

Stoffwechseltests mit über 200 weiblichen Probandinnen zeigten, dass übergewichtige Frauen mehr Fett zur Energiegewinnung verbrennen als normalgewichtige Frauen. Foto: Freepik
Die Studie zeigte, dass übergewichtige Frauen auch im Ruhezustand mehr Fett oxidieren. Das bedeutet, dass ihr Körper selbst ohne körperliche Aktivität oder Ernährungsumstellung mehr Lipide zur Energiegewinnung verbrennt.
„Der Ruheenergieverbrauch ist die Energie, die der Körper benötigt, um lebenswichtige Funktionen wie Atmung und Herzschlag aufrechtzuerhalten, selbst im Schlaf oder im Sitzen“, erklärte die leitende Forscherin Lorena Medeiros Batista von der Medizinischen Fakultät Ribeirão Preto der Universität.
Die Forscher analysierten die Daten von 216 gesunden erwachsenen Frauen mit unterschiedlichem Body-Mass-Index (BMI) im Zeitraum von 2017 bis 2024.
Mithilfe der indirekten Kalorimetrie, einem nicht-invasiven Testverfahren zur Messung des Sauerstoffverbrauchs und der Kohlendioxidproduktion, ermittelte das Team den Kalorienverbrauch der Teilnehmerinnen im Ruhezustand.
Frauen mit einem BMI von 30 oder höher wiesen einen signifikant höheren Ruheenergieverbrauch und eine höhere Fettoxidation auf als Frauen mit einem BMI unter 25.
Laut den Forschern deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Übergewicht eher mit einer metabolischen Anpassung als mit einer Verlangsamung des Stoffwechsels einhergeht.
Laut Batista könnte der Anstieg der Fettverbrennung im Ruhezustand die Reaktion des Körpers auf größere Fettspeicher widerspiegeln, wodurch mehr Fettsäuren als Energielieferanten zur Verfügung stehen.
Die Ergebnisse könnten die Behandlung von Adipositas verbessern, indem sie Stoffwechselmarker identifizieren, die personalisierte Ernährungs- und Therapiestrategien ermöglichen.
Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass die Studie ausschließlich Frauen umfasste und weitere Untersuchungen mit Männern bereits geplant sind.
Die Ergebnisse tragen zu den zunehmenden Hinweisen darauf bei, dass Adipositas eine komplexe Erkrankung ist, die von biologischen, ernährungsbedingten, verhaltensbezogenen und psychologischen Faktoren beeinflusst wird – und dass der Stoffwechsel möglicherweise anders funktioniert als bisher angenommen.
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